Mit breitem Grinsen ausgegrinst…

Nun wollt` ich ja eigentlich keinen Bericht zu dem Kick jenseits der Weißwurstgrenze schreiben, schließlich war ich nicht Vorort und somit kann man ja auch keinen fundierten Tourbericht verfassen. Wir von buender-schalker.de haben uns darauf geeinigt, das Schalker Spiel gegen die Bazen in “unserer” Hütte zu gucken. Ein erhoffter Kantersieg sollte mit Fassbier und leckerstem ostwestfälischem Grillgut noch schmackhafter gemacht werden. Lediglich Sven befindet sich schon seit Mittwoch in der bajuwarischen Hauptstadt, ein ordentlicher Sieg soll ja auch gut vorbereitet sein. Und natürlich beruhen meine Hoffnungen noch darauf, dass Sven einen solchen Tourbericht für unseren Blog verfasst?! Somit habe ich also schon am Freitag ein paar süffige Diebels 6 Liter Altbierdosen zum vorkühlen besorgt und den guten Kisker schön auf Eis gelegt. Samstagmorgen noch schnell läggeres Grillgut dem unentschlossenem Edeka-Kunden vor der Nase weggeschnappt und somit konnten die finalen Vorbereitungen in Angriff genommen werden. Zu allererst natürlich ein Probelauf mit dem ollen Beamer. Schließlich hat die Beamerlampe schon ihre Laufzeit überschritten. Das ist halt der Nachteil, wenn man sein Equiqument aus Kneipenauflösungen bezieht. Das Geld, was man beim Einkauf spart, rentiert sich dann nur bei intensivster Wartung. Beamer also ok. Für einen triumphalen Sieg soll bloß nichts dem Zufall überlassen werden. Nun also noch die Akustik der Beschallungsanlage testen. Trifft sich gut, da der nette Nachbar zur Rechten gerade sein BILDungsblatt in abgeschiedener Ruhe und Einsamkeit auf seiner Terrasse verinnerlicht. Nachdem die “Innenboxen” den Soundtest bravourös bestanden haben, werden die Außenboxen mit einem Knopfdruck zugeschaltet. Natürlich passend zur Strophe “1000 Freunde die zusammenstehen” des wahren Vereinsliedes. Gerade dröhnen die Boxen noch “… niemals untergehn” da hör ich auch schon, aus einem scheinbar unendlich weit entferntem Hintergrund, das Grollen des lieben Nachbarn: “Geht dat denn schon wieder los?! Wat soll der Krach?” Also Außenboxen auch in Ordnung. Und nun weiß wieder einer dieser Fußballignoranten das heut` Schalke is. Soll `ne ruhige Gegend gewesen sein bevor ich hierhin gezogen bin. Sagen die anderen Nachbarn zumindest, ein paar lächelten dabei sogar…

Schnell noch meinen alt-ehrwürdigen Schal mit ein paar unschönen Hasstiraden auf den bayrischen Vorzeigeclub vor die Hüttentür genagelt und somit steht dem hoffentlich anstehenden, sportlichem Debakel der Klinsmann-Truppe eigentlich nichts mehr im Weg. 12:30 Uhr, herrlichster Sonnenschein, Steppke erklärt Nachbarstochter zur Linken gerade die Schußtechnik von Pander, so dass Steppke selbst den Neuer machen kann. Somit bleibt mir nur noch die unangenehmste Aufgabe der Vorbereitungsphase: Probezapfen! Am plätschernden Teich in der Sonne sitzend befinde das Altbier für schmackhaft und gut temperiert und die Gedanken von einem kaum vorstellbarem besseren Leben schweifen ab in die bevorstehende Mannschaftsaufstellung und in das typische Was-passiert-wenn-Gedankenspiel …

Kommen die Jungens von buender-schalker.de ansonsten man gerade pünktlich zum Anpfiff inne Hütte, sind sie heut schon alle weit vor 15:00 Uhr anwesend. Wenn man es objektiv betrachtet, ist es für Schalke eigentlich eines von den vielen belanglosen Spielen zum Saisonausklang, aber gegen die Bayern ist es halt doch immer was Besonderes. Für mich tendieren diese sportlichen Vergleiche in der Wertigkeit sowieso weit vor denen mit den Fußballern aus dem Dörfle bei Lüdenscheid. Wer spricht z.B. derweil noch von Rot-Weiß Essen auf Schalke? Und das es soweit mit dem FCB wohl kaum kommen wird, muss man neidlos anerkennen. Aber wer weiß, vielleicht ja mit dem börsennotierten Ballsportverein an der B1?! Die Wirtschaftskrise hat in jüngster Zeit ja schon so manch anderen die Beine weggehauen…

Günni wird als Zapper in die erste Reihe kurz vor den wichtigsten aller Hähne degradiert und nachdem den anwesenden Steppkes die Wie-ich-mich-in-den-nächsten-90-Minuten-verhalte-Regeln eingetrichtert wurden, pfeift ausgerechnet Zahnarztazubi Fandel die Partie in Europas größten Schlauchboot an. Mir wird sofort schlecht. Teilweise liegt das an dem druckvollem Spiel, welches die Bayern da auf der Leinwand zeigen, größtenteils ist es aber die Verärgerung über den angesetzten Moderator für dieses Spiel. Marcel Reif. Objektiv gesehen geht es derzeit im deutschen Fernsehen nicht schlimmer. Nicht wegen seiner Sympathien zu den Münchnern. Da gestehe ich ihm Objektivität und sportliche Fairness zu. Ganz entgegen meinem voreingenommenen Naturell. Was bei mir die Nackenhaare hochgehen lässt, ist seine überhebliche Moderation, seine besserwisserische Art und Weise über sportliche und vereinsinterne Geschehnisse zu berichten und seine Gier, dem unbedarftem Zuschauer seine unwesentliche Meinung durch zig wiederholende verbale Superlative aufzudrängen. Manchmal denke ich über ihn, was ich ab und an auch schon mal über mich gedacht habe: Der säuft zuviel! Jedenfalls beginnt der FCB wie schon gesagt sehr druckvoll, meine Schalker Mannen kommen gar nicht so recht aus der eigenen Hälfte. Nach sage und schreibe 2:43 Minuten spricht der werte Herr Reif schon von einer ” ..spielerisch um Klassen besseren Münchner Mannschaft…” und “… harmlos agierenden und überforderten Schalkern…” Na prima, nicht das mir mein Schalker Herz aufgrund des druckvollen Spieles der Bazen eh schon in die Sommerhose rutscht, gezz muss ich das befürchtete, unsäglich einseitige Gesülze des Meinungsbilders Marcel Reif sogar wirklich neunzig plus x-Bayern-Bonus-Minuten ertragen. Der Tag fing doch so herrlich an…

Bayern rennt immer wieder auf unseren Strafraum zu, aber ne wirklich zwingende Chance kommt dabei eigentlich auch nicht rum. Entweder klärt unsere Abwehr und/oder Schnapper Manu, der persönliche Held von meinem Steppke, ist präsent. Einmal zischt das runde Leder quer durch den Fünfer von Manu, vorbei aber an Freund und Feind. Nach gefühlten 1904 und gestoppten 15 Minuten ist der erste große Druck von den Bazen aber überstanden und die Träger der königsblauen Trikots nähern sich wahrhaftig auch mal dem Strafraum des Sportkameraden Butt. Es ist schweineheiß inner Hütte, welche jetzt natürlich in der prallen Sonne liegt. Aber nicht nur deshalb bin ich schweißgebadet. Günni kommt aus dem Zappen nicht mehr raus. Alle sind wir angespannt. Selbst der Ossi, den wir letztes Wochenende noch 4:0 aus unserer Turnhalle geprügelt haben, fiebert im wahrsten Sinne des Wortes mit uns. Wieder wird ein harmlos vorgetragener Entlastungsangriff der Büskens-Elf mühelos von der Bayern-Abwehr abgefangen. Aber Farfan setzt nach. Ist jetzt eh nen büsken mehr Biß inner Truppe. Also hakt Jefferson nach und erorbert tatsächlich an der Mittellinie den Ball zurück. Nun folgt wieder eines seiner unwiderstehlichen Dribblings zur rechten Außenbahn. Erinnert ein wenig an Mpenza`s beste Zeiten. So stark wie sein Dribbling, bei dem er sich gegen gleich 2 bajuwarische Abwehrspieler durchsetzt, so schwach ist leider seine Flanke. Aber immerhin Ecke für Schalke. Der Pander legt sich die Pille anner Eckfahne zurecht. Gut so. Seine scharfen Flanken liebe ich. Wenn die reingezwirbelt kommen und mir die Rübe vom Hals knallen, würde ich auch als Torschütze in die Bundesligaannalen eingehen. Möchte hier ja nicht wieder den Finger in die Wunde legen, aber beim Hinspiel gegen die Bayern habe ich mich furchtbar aufgeregt als unser damaliger sportlicher Verantwortliche, Fred, den einsatzbereiten und nicht verletzten Christian Pander nicht ins Spiel brachte. Wir hatten ja bekanntlich ein Eckenverhältnis von 18:1 …

“Fertig machen zum jubeln… ” Irgendeiner inner Hütte haut den Spruch raus. Christian nimmt mit seinen hochgezogenen Strümpfen, bei denen Andere sich was ganz anderes einklemmen würden, Anlauf und bringt die Murmel schön in den Fünf-Meter-Raum. Und zwar genau auf den einsamen Halil. Der muß nicht mal springen um zu köppen, der muss sich gar ein wenig ducken. Also hält er brav seinen Kopf hin und netzt ihn vorbei an dem hilflos grätschenden Butt ein. Nee ne? 1:0 Schalke! Zählt das wirklich? “Man Premiere, zeig den Schiri, den Winkgehilfen, gib mir irgendeine Bestätigung!” Die Schalker Mannen jubeln weiter, alle inner Hütte jubeln. Ich nicht. Noch nicht. Gezz endlich die Bestätigung von dem, dem ich eigentlich am wenigsten traue. Marcel Reif. Vor meinem geistigem Auge sehe ich, wie er das zähneknirschend zugibt. Toooooooooor! Endlich kommt es auch aus mir raus. Ich stolpere aus der Hütte und brülle die irritierten Fische an. Man wat bin ich froh. Tooooooooor! Mein Nachbar zur Rechten muss es doch auch noch wissen. Und schnell wieder rin inne Hütte. Wiederholung sehen. Momentan ist Grinsi-Klinsi ohne Grinsi aufm Schirm bzw. auffer Leinwand. Mensch Jürgen, wenn Du mich gezz sehen könntest, dann wüsstest Du wie man(n) richtig grinst. Von einem Ohr bis zum anderen. Und zurück. Nochmals genieße ich die Zuckerecke von Pander und die anschließende Vollstreckung durch Halil. In schönster Zeitlupe. Muss das den Bazenanhängern vor den Empfangsendgeräten weh tun, immer und immer wieder dieses wunderbar einfache Tor zu sehen. Ich weiß wovon ich rede, als Schalker kennt man das zu genüge. Und aus Erfahrung weiß ich auch, dass eine 1:0 Führung wahrlich nicht ruhiger macht. Aber so richtig kommen die Bayern immer noch nicht zur zwingenden Torchance. Richtig hektisch wird es eigentlich nur, als der Manu mal den Kevin schüttelt, weil kurz zuvor ein Freistoß von Sosa an die Latte des Schalkers Tor prallte und Manu wohl in Kevin den Unhold ausmachte, der den Kopf in der Schalker Mauer einzog. Tja Kobi, noch mal Glück gehabt, dass der gute Manu das wohl nicht richtig erkannt hat… Aber ansonsten viel Wirbel um nichts. Trotzdem sind solche Spiele nichts für mein alterndes Herz. Mir sind solche Spiele nichts. Zumindest nicht außerhalb der Fußballarenen, in denen man unbekümmert seinen Frust und seine “Ängste” rausbrüllen kann. Da dröhnt es wenigstens nicht so wie in einer kleinen, menschengefüllten Holzhütte. Auch der Tor-Tee Kisker beruhigt meine Nerven nicht wirklich und erst als ein sichtlich erschöpfter Fandel endlich zur Halbzeit pfeift, geht mein Puls das erste Mal wieder auf Normalbetrieb.

Halbzeit-Kisker, Toilette, Rauchwaren und Knabberzeug aufgefüllt und weiter geht’s. Die Bazen beginnen zwar wieder druckvoll, aber so wirklich überzeugend auch wieder nicht. Im Gegenteil, Schalke bekommt Freiräume, Schalke hat auch Chancen. Die überzogene Aufregung des Herrn Reif über das Handspiel eines zu Boden fallenden Sanchez im Schalker Strafraum regt mich wieder maßlos auf. Das direkt vorrausgegangene Foulspiel an unserem Schnapper im Fünfmeterraum, dessen Folge dieses unglückliche Handspiel von Vicente war, übergeht der sich künstlich echauffierende Moderator gewissenlos. Wieder einmal lässt er in den kommenden 10 Minuten keine Gelegenheit aus, dem Zuschauer zu suggerieren, dass den Bayern der gefühlte 1904. unberechtigte Elfmeter vorenthalten wurde. Sehe denn nur ich das so, dass dieser Moderator für einen Fernsehsender nicht mehr tragbar und für den zahlenden Zuschauer unerträglich ist?! Wie viele Mails muss ich denn noch an den Pay-TV Sender Premiere schicken, in denen ich bekunde, dass ich nicht weiter gewillt bin durch meine monatlichen Zahlungen das fürstliche Gehalt des Herrn Reif mitzufinanzieren? Leider stellt sich Jeremaine in einem Laufduell gegen van Bommel etwas “unglücklich“ und anstatt dem holländischem Raufbolden mit einem klinsiähnlichem Grinsen davonzulaufen, nockt Jones ihn kurzerhand rücklings aus. Glück gehabt. Fandel, wohl nicht nur aufgrund dieser ungewöhnlichen Aktion etwas überfordert, zückt nur Gelb. Später allerdings schickt er Jones dann doch mit Rot-Gelb zum vorzeitigem duschen, als dieser van Bommel mit einer Hacken-Grätsche nochmals zeigt, wie das Schalker Kämpferherz schlägt und wo der Hammer hängt. Beide Aktionen von Jeremaine kann man wohl durchaus mit Gelb (oder die erste gar mit glatt Rot) ahnden, allerdings unterstelle ich ihm in keinster Weise böswillige Absicht. In meinen Augen ist das die Spielweise eines immer am Limit kämpfenden Fußballers, der in seiner aufopfernden Art leider ab und an über das Ziel hinausschießt. Diese Unbedarftheiten werden dann auch meistens bestraft. Hoffentlich fehlt uns das neue Schalker Kampfschwein nicht zu lange. Kurze Zeit nach dem Platzverweis von Jones darf aber auch der bayrische Franzose Ribbery schon in den Katakomben des Schlauchbootes verschwinden. Unzufrieden mit sich und der Leistung seiner Leidensgenossen, äußert sich sein Unmut in einem Frustfoul an Farfan. Hier dann mal ein Lob an die Regieführung von Premiere. Herrlich, wie sie den Abgang des frustrierten Franzosen mit der Kamera begleiten und scheinbar übergangslos den ansonsten grell leuchtenden Kopf von Uli Hoeneß einfangen, der im Grunde aschfahl und regungslos zu Boden starrt. Nicht der sportliche Untergang, der den Bayern gerade bevorsteht, aber wohl die damit verbundene Häme Fußballdeutschlands, ist zu größten Teilen der Verdienst dieses ungeliebten, weil erfolgreichen deutschen Fußballmanagers. Diese neidvolle Häme ist das respektvolle Ergebnis vorbildlicher Managerarbeit. Und dieser “Fußballmacher” sieht sich gerade in den Trümmern seiner Arbeit. Und Fußballdeutschland sieht zu, wie er scheinbar regungslos in diese Trümmer starrt. Den sportlichen Untergang sieht die gnadenlose Medienlandschaft (wer sollte das wohl nicht besser beurteilen können als eine Schalker Seele?) nebst bayrischer “Öffentlichkeit” in dem hemdsärmeligen Sunnyboy auf der Münchener Trainerbank. Grinsend und mit reichlich Vorschußlorbeeren aufgrund der deutschen WM 2006 trat er nebst Buddhas und irgendwelchen Lounge-Bereichen seinen Dienst bei Deutschlands Fußballclub Nr.1 an. Nichts ist mehr geblieben von dieser Leichtigkeit, mit der er den routinierten Bundesligatrainern die neue Mach- und Gangart unter die Nase reiben wollte. Und den letzten Anflug eines Grinsens sollten jetzt gerade wir so arg gebeutelte Schalker ihm vermiesen?

Noch nicht. Noch zählt auf dem Platz und Bayern bläst zur Schlussoffensive. Höwedes hat schon längst den bis auf sein Tor heute glücklos agierenden Altintop ersetzt und auch Pander hat das Spielgeschehen für Engelaar verlassen, als dieser von der rechten Mittelfeldseite einen Freistoß ziemlich unkontrolliert vor das von Butt bewachte Tor tritt, wodurch sich mein Kumpel Marcel Reif zu dem Kommentar: “Du säufst zu viel!” hinreißen lässt. Klasse Marcel. Journalistische Glanzleistung. Wieder mal. Wie oftmals völlig zusammenhangslos und völlig daneben, aber nen klasse Kalauer. Bald ist es wohl vollbracht, aber nun kommt Wühler Gerald für den quirligen Vincente. Fandel wird sich der Schalker Geschichte bewusst und zeigt dem vom Platz gehenden Sanchez spontan Gelb für “Spielverzögerung beim Auswechseln” oder wie auch immer die Bürokraten es in dem Spielbericht eintragen werden. Ich bin der Überzeugung, dass Vincente gar nicht so schnell vom Platz hätte spurten können, so schnell wie der Herr Schiedsrichter die Karte aus seiner Brusttasche gezogen hat. Allerdings hat er die gelbe Karte wohl schlauerweise unmittelbar gezogen, um einem eigenen Spurt zuvorzukommen, falls Vincente es sich überlegt hätte, seine letzten 10 Meter auf dem Platz zu verlangsamen. Das wollte sich der etwas in die Pfunde geratende Ex-Fifa-Schiedsrichter wohl nicht mehr antun und schließlich galt es ja noch eine eigens anberaumte Nachspielzeit von 4 Minuten zu überstehen. Wat hab ich in unserer Arena und auf anderen Bolzplätzen schon gepfiffen, weil gegnerische Spieler vom Platz trabten. NIE hatte es eine Bestrafung durch die Schiedsrichter gegeben, es sei denn der Ausgewechselte trug das königsblaue Trikot. Aber vielleicht sehe ich das ja auch zu blau-weiß…

Gnadenlos langsam tickert die Premierespieluhr auf der Leinwand ihre Zeit runter. Die Bazen belagern unseren Strafraum. Ich schau irgendwie gar nicht richtig hin. Irgendein Roter pöhlt voll Pulle auf den Kasten von Manu, aber halt auch mitten auf unseren Schnapper, der den Ball beidhändig wegfaustet. Noch schnaufend registriere ich eine weitere Ecke für Bayern. Nochmals. Altintop, der ehemals Richtige und jetzige Falsche, läuft mit der Pille am Fuß an der 16-Meterlinie lang und bekommt doch verdammt die Lücke zum Schuss die er braucht. Ich seh` dat. Alle inner Hütte sehen dat. Wahrscheinlich wohl auch alle im Stadion. Nur unsere Abwehr anscheinend nicht. Und Altintop der Erste zieht ab. Wir wissen wie gut er das kann. Ehrlich gesagt sehe ich das Runde schon in das Eckige rauschen, kämen da nicht unmittelbar bevor der Ball kurz unter der Latte einschlägt die Fäuste von Manu angeschnellt und lenken den wahrlich scharfen Schuss just so über die Latte. Klasse Manu. ““Ey, die Zeit ist gezz aber um, Fandel, nich noch ne Ecke für die Bazen, eeeyyyy…“” Und es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ich höre zwar schon lange nicht mehr das wohl schon mittlerweile weinerliche Gejammer von Bazen-Reif, aber Fandel hört mich. Ja, wirklich, er hat mich gehört. Er MUSS mich gehört haben, denn er pfeift ab. Keine Nochmalszusätzlichnachträglichbiszumausgleichstorminuten für Bayern. Diesmal nicht. Der gute Herr Fandel pfeift tatsächlich ab. Auch wenn er mich nicht gehört haben kann, dann hat er mich zumindest erhört. Irgendwie fass ich es nicht. Wir haben endlich mal wieder bei den Bauern gewonnen. Haben wir uns gezz endgültig aus der Krise und die Bayern in die Krise geschossen? Ersteres wäre ja zu schön um Wahr zu sein, Letzteres ist mir eigentlich ziemlich schnuppe. Inner Hütte tobt es und auf der Leinwand macht der Manu den Kahn. Wir wissen alle sofort was unser Schnapper mit der Eckfahnengeste meint. Weil ich uns Olli Kahn dafür 2001 bestimmt mehr als nur gehasst habe, kann ich mich mit der Aktion nicht so Recht anfreunden. Aber auch das ist egal. Unserem Manu gönn ich die Freude doch sowieso, schließlich isser einer der Helden des heutigen Tages und gleichzeitig isser der Held meines Steppke. Inner Hütte klatschen wir uns ab. Irgendwie kann ich es immer noch nicht so wirklich glauben. Aber auch wenn die Bazen optisch überlegen waren, da war heute eine Schalker Mannschaft aufm Platz, die wie schon gegen Cottbus als Team aufgetreten ist und somit sich diesen Sieg verdient erarbeitet hat. Wat nen Kick. Spiele die mein Herz nicht braucht, aber so erfreut. Endlich gibbet es den Sieges-Kisker…

Das anschließende Grillen und die feucht-fröhliche Stimmung können auch die Ergebnisse von Stuttgart und aus dem Dorf in der Nähe von Lüdenscheid nicht trüben. Die erfrischenden Statements von Buyo sind wieder mal Balsam auf die Schalker Seele. Es wird für die Schalker Verantwortlichen immer schwieriger nun neue Köpfe für die sportliche Führung zu präsentieren. Ich möchte das eigentlich nicht weiter kommentieren, aber die Messlatte liegt mittlerweile ziemlich hoch. Aber nicht nur die Ergebnisse unter dem Dreigestirn Büskens-Mulder-Reck haben ihr Schäflein zu dieser Situation beigetragen, gerade auch die Spielweise gegen Cottbus und nun bei den Bayern lassen Gutes aus der Schalker Notlösung für die Zukunft erhoffen. Der Sieg wird noch mit reichlich Calpirinha auf unserem westfälischen Dorffest begossen und mit einem viel breiterem Grinsen als es Klinsmann wohl je hatte, sinke ich zufrieden in den frühen Morgenstunden zu Bett. Und für Klinsi hat es sich dann ja auch schon zwei Tage später ausgegrinst. Das ist mir zwar eher egal, aber auch darüber kann meine Schalker Seele sich ein kurzes, aber wiederum breites Grinsen nicht verkneifen…

Ach ja, noch was, irgendwie bin ich mit meiner Meinung zu Herrn Marcel Reif dann wohl doch nicht soooo allein. Auch wenn das Video nicht vom Bayernspiel stammt sondern aus Barcelona und der Text Passagenweise nen büsken deftig ist. Ein Ruf Reif(t) halt selten von allein… :-)

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Autor: Mspie
Datum: Dienstag, 28. April 2009 0:23
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Ein Kommentar

  1. 1

    Genial! Ich lache vor Freude und ich lache vorallen über deinen super verfassten Text. Weiter so!

    mit blau weißen Gruß
    Plitsch

    P.S.: Gegen Hoffendoof bin ich dabei *freu*

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