Clemens allein im Block…

Ich hab Dich doch...

Ich hab Dich doch…

“Fahr`n wa denn nach Bielefeld?” Wir sind gerade auf dem Rückweg in das aus Schalker Sicht so gescholtene wunderschöne Ostwestfalen von dem Hamburgspiel inner heimischen Arena, als in unserem Bulli diese Frage gestellt wird. So eine Frage nach so einem trostlosem Spiel vor über noch trostloseren 60.000 Augenpaaren, wo ich doch gerade versuche, meine tiefen Schalker Depressionen mit dem Wunderheilmittel Kisker-Wacholder zu bekämpfen. ICH fahre nicht zum Bielefeldspiel. Ich fahre sowieso gar nicht mehr zu irgendwelchen Schalker Spielen. Ok, Amas und S04-Jugendspiele sollte ich in meine Frustwelle vielleicht nicht gerade mit einbeziehen, aber zu den Grottenkicks der BuLi-Mannen fahre ich gezz definitiv nicht mehr. Es reicht. Punkt. Basta. Aus. Dat wars. Und die 4 DK die ich mein eigen nenne?! Drauf geschissen. Gibt ja so`ne große Warteschlange, da freuen sich die “richtigen” Schalker auf den vorderen Plätzen der Warteliste bestimmt. Das reißt mich alles zu sehr runter. Nur mit einem konsequenten Schnitt zu meinen Schalker Gewohnheiten bekomme ich wohl erst wieder ein paar erheiternde Sonnenstrahlen in mein finsteres Inneres. Trotz der Gewissheit, dass die Rutten-Elf erst in zwei Wochen wieder das runde Leder quälen wird, bin ich mir jetzt schon bewusst, dass auch die Zwangspause wegen Bundes-Jorgi nichts an meiner Einstellung mehr ändern wird. ICH fahre nicht gegen Bielefeld. ICH NICHT. Definitiv !!!

Auch die nun folgende turbulente Woche auf Schalke ändert rein gar nichts an meiner Einstellung. Im Gegenteil. Diese Slapstickwoche verfestigt meine Einstellung sogar. Rutten wird gefeuert, nach MFK gibbet nun auch `ne TFK, in den Gazetten überschlagen sich die Namen der potentiellen Kanidaten für den Trainer- und Managerposten und die Schalker Führungsebene, allen voran  der allmächtige Schweinhälftenklopper aus dem beschaulichem Rheda-Wiedenbrück, bemüht sich pflichtbewusst in ihrer öffentlichen Entscheidungsfindung mal wieder kein Fettnäpchen auszulassen. Herrlich mit anzusehen, jedenfalls wenn nicht gerade das königsblaue Herz in Einem schlägt. Nun soll also `ne international erfahrene Trainergranate für neun Spiele ran auf Schalke und den Verein in die UEFA-Cup Ränge führen. Wenn der Clemens mal schon nichts sagt, dann haut halt der Schnusi mal einen raus. Und weil der Olaf gar nichts sagen darf, macht der nun den Rudi und müllert sich selbst. Eichberg wo bist Du, komm zurück und erwecke mich aus diesem bösen Traum. Selbst die Zecke die lesen kann, geht mir trotz anhaltend niederrangigem Tabellenplatz nicht mehr aus dem Weg und sabbert mir ungefragt Tag für Tag die neuesten Highlights der Schalker Gerüchteküchte in die Ohren, natürlich nicht ohne seinen schwarz-gelben Senf dazu abzugeben.

Der fußballerische Höhepunkt am folgendem Wochenende ist dann der verdient glanzlose Sieg unsere Natielf über die Ex-Steueroase und Noch-Fürstentum Lichtenstein. Irgendwie geht ja nix über BuLi-Fußball. Dem unweigerlich nach einem Wochenende folgendem Montag kommen dann wieder die ersten zarten Anfragen in unserem eigenem kleinem Forum von buender-schalker.de: Wer fährt zu unserem Heimspiel auswärts? Dem unbedarftem Leser hier sei an dieser Stelle gesagt, dass der Kern von buender-schalker.de genau wie ich ca. 20km Luftlinie vonner Ex-Alm seinen Hauptwohnsitz hat und jegliches Spiel der Knappen in der Stadt die es nicht gibt eigentlich ein Pflichtprogramm für jeden von uns ist. Eigentlich. Für mich ja diesmal nicht. Sollen sie mich doch alle foppen und ärgern und die unendlich Diskussion “Guter Schalker, schlechter Schalker” wiedereinmal neu entfachen. Ich bin immer noch stinkestinkesauer von dem Hamburgspiel, diesmal wird dat nich so schnell wieder jut. “Hast Du nen Steher oder sitzt Du auffer Alm?” fragt mich ein Arbeitskollege. “Hä??? Wieso fragste mich denn sowat?” Büsken verwirrt, was mich innerlich erfreut, erwidert er: “Schalke kommt doch Freitag?!” “Ach, gezz Freitag schon?! Dat hatte ich so ja gar nich auffem Schirm! Shit, da kann ich nich…” antworte ich rasch, um mich wieder vollends der technischen Herausforderung der Bedienung eines Kaffeeevollautomaten zu widmen. Irgendwie scheint dieser Eine meiner Arbeitskollegen spontan am Sinn des Lebens zu zweifeln oder seine komplette Weltanschauung löst sich in Sekundenbruchteilen in Wohlgefallen auf, jedenfalls geht er ohne jeglichen Kommentar seines Weges, versunken in seinen ureigenen, nur ihm gehörenden Gedanken…

Dienstag. Noch 4 Tage bis das Dorf namens Bielefeld wieder Königsblau eingefärbt wird. An meiner Arbeitsstelle hat sich schnell mein angeblich “sonderbares” Verhalten rumgesprochen. Der denkende Mensch ändert seine Meinung, das ist halt so. Mein Gott, es geht doch nur um Fußball. Und ich setze mich mit neuen Erkenntnissen zum Leben gezz mal nen büsken von der Masse ab. Dem Sieben-Jahres-Rhytmus zufolge sind ja nach eben diesen sieben Jahren meine Körperzellen wiedermal rundum erneuert und ich entdecke einen neuen Lebensinhalt. Und ich bin doch tatsächlich als `67er Jahrgang nun 42 Jahre jung und dat geht durch sieben. Also dat isses. Viele meiner Lebensbegleiter werden nun sagen “Endlich!” und ich rufe Euch zu “Hier bin ich, fangt mich auf!” Sven schreibt in unserem Forum, dass er noch zwei Karten für das Spiel hat, Block E. Hmm, 37 Tacken das Stück. “Nee, Sven, wenn Du gezz nen Steher hättest….” Ach wat solls, ich fahr ja sowieso nicht hin…

Mittwoch. So nahe zu Leben im Dunstkreis der Alm, kommt man an den Diskussionen rund um das bevorstehende Spiel der Arminen halt nicht vorbei. Wahrscheinlich ist die zur schmucken Arena umgestaltete Bretterbude sogar erstmalig in dieser Saison ausverkauft. Tja, so manches ist halt anders wenn Schalke kommt und ich ertappe mich dabei, wie ich in den Diskussionen ungefragt das königsblaue Blut verteidige. Was ist denn nun? Ich denke alle Körperzellen sind nun neu. Habe ich aller Esotherik zum Trotz denn die Schalke-Zelle, DAS Gen, immer noch? Ich gebe es zu, es kribbelt. Irgendwie deutet auf Schalke nach wochenlangen Rumgeeiere doch alles auf einen Neuanfang mit kleineren sportlichen Zielen hin. Junge und bereitwillige Angestellte haben vorzeitig ihre Verträge verlängert, um die eine neue, hungrige Mannschaft aufgebaut werden sollen. Und offiziell sollen nun Buyo, Mouri und uns Olli ihre Erfolgsserie, die sie nach dem Abgang vom MirCo begonnen haben, fortsetzen. Endlich mal was greifbares, mit dem man(n) etwas anfangen kann. Erste ernsthafte Zweifel kommen in mir auf. Hätte ich mir man doch nen Ticket besorgt für das Spiel Null der neuen Schalker Zeitrechnung. Ob Sven noch die hat für 37 Arenaknappen in Block E? Nein, gesagt ist gesagt. ICH habe gesagt ich fahre nicht, also fahre ich auch nicht. Abends lese ich in unserem Forum wie Sven schreibt, er hätte noch nen Steher für mich. Sven, Du mein Gott! Ich danke Dir! Wat interessiert mich mein Geschwafel von gestern. Schalke spielt vor meiner Haustür und natürlich muß ich dahin. Als königsblauer Ostwestfale ist das meine Pflicht. Völlig uninteressiert verfolge ich auf der Mattscheibe noch den zweiten Kick der Woche der Mannen um Herrn Löw. Nach einer kleinen Aufregungszeit wegen der wiederholten Mißachtung von unserem Heiko in der Stammelf der Natimannschaft, schweifen meine Gedanken schnell wieder gen Freitag. Mann, wie konnte ich nur überhaupt nen Gedanken daran verschwenden NICHT auf die Alm zu fahren wenn mein Schalke kommt?! Was haben “die da oben” nur aus mir gemacht. Aber zum Glück bin ich ja wieder in die Spur gekommen. Puh…

Donnerstag. Aufstehen, arbeiten, duschen, Mails rund um Schalke lesen und beantworten, Tagesthemen, Bett. Endlich. Wieder einen Tag dieser saglosen Bundesligafußballzwangspause schadlos überlebt.

Freitag. Spieltag. Endlich beschreibt es nicht. Es muß doch noch nen Wort geben, welches das Erreichen eines lang ersehnten Zieles besser beschreibt als das kleine Wort “endlich”? Gibt es denn für “endlich” keinen Superlativ wie für andere Adjektive? Gut, besser, am besten. Endlich, endlicher,… Quatsch, nix beschreibt es besser als: Geil, Schalke spielt, heute. Darum isses auch nicht schlimm, dass Sven mich schon um 15:00 Uhr abholen will. Wir spielen zwar erst um 20:30 Uhr und in eine reine Fahrtzeit von 20 Minuten ist sogar nen Stau auf der Jöllenbecker Strasse einkalkuliert. Der frühe Vogel fängt den Wurm und als wir so gegen 15:30 Uhr nach mehreren Parkplatzanalysen im “Schlosshof” einkehren, sind tatsächlich auch schon ca. 7 weitere Gäste anwesend. Darunter sogar Freunde des Hauses von unserem Schnapper Manu und der Vater von unserem Noch-Schnapper Ralf wie Sven mir versichert.  Er muß es wissen, schließlich begrüßt er die beiden mit Handaschlag. Es geht halt nichts über gute Kontakte resultierend aus anderen Auswärtsspielen. Der Schlosshof ist eine überaus beliebte Anlaufstelle für Schalker. Normalerweise ein Terretorium der Arminenanhänger, aber halt nicht wenn Schalke kommt… :-) Großer Vorplatz mit Bierwagen und Bratwustbude, großes Kneipeninnere und riesiger Biergarten im Backround. Und das bei übelst gutem Wetter mit königsblauem Himmel. Schalker Herz was willst Du mehr? Sven bringt es auf den Punkt: Bier! Also verbringen Sven, ich und Benni, der mit seinem zweiköpfigem Anhang ebenso pünktlich im Schlosshof angekommen ist wie wir, einen gemütlichen Nachmittag bei herrlichstem Sonnenschein und netten Gesprächen. Nach mehreren Schichtwechseln der Bedienungen und unbemerktem Füllen des gemütlichen Biergartens begeben wir uns gegen 18:00 Uhr dann endlich auf den Vorplatz dieser schön gelegenen Waldkneipe, denn schließlich tobt da nun schon das wahre Leben. Nadja, Otto, Lutz, Taddy, Sven, Stephan, Carsten und wat weiß ich nich wer noch alle (verzeih` mir, wenn ich Dich in der Aufzählung vergessen habe), es war schön Euch alle mal wiederzusehen und mit Euch zu quatschen. Na gut, Otto, Dir gegenüber fällt das Urteil ein wenig anders aus, aber das liegt wohl eher an Deinen uneinsichtigen Bielefelder Ansichten :-). Ein paar Bierlängen weiter müssen wir dann aber endlich los in unseren Gästeblock. Nach leichtem Verwirrspiel ob links oder rechts der richtige Weg führt, schlüren wir im langen Schalketross also unserem Eingang entgegen. Warum es Bielefeld eigentlich nicht gibt oder die “Stadt” nicht über den Dorfcharakter hinauskommt, zeigt sich umgehend am Stadion…

Ein paar tausend Schalker müssen sich durch EIN!!! ca. 80cm breites Torchen zwängen um sich den dreireihigen Durchgangskontrollen mit Abtastungen zu nähern. Wer gezz meint drei Reihen wären da, um die Abtastkontrollen zu entzerren, der sieht sich gewaltig geirrt. Drei Reihen, um sich drei mal Abtasten zu lassen. Ich habe rein gar nichts gegen diese Kontrollen, schließlich dient das Ganze auch meiner Sicherheit, aber hier scheint es ja glatt so, als wenn die eine Ordnerfraktion der Anderen nicht traut. Trotzdem mußte ich bei allen dreien nicht mein GE-Cap absetzen. Wenn die also wüßten, wie wenig Hirn sich unter meiner Kopfbedeckung befindet, wüßten die auch, wat ich darunter wegen dem Freiplatz auch alles reinschmuggeln könnte. Und wie effektiv diese Mehrfachkontrollen wirklich waren, hat man ja an dem Schlaumeier im eigenem Block während des Spiels gesehen. Einprägsam war dann auch noch die dritte und vorletzte Kartenkontrolle. Leute die mich näher kennen wissen, dass ich glücklicher Nicht-Besitzer eines Handy bin. Darum habe ich auch mal gleich zwei mit zur Alm genommen. Das eine Handy gehört einem Geschäftsmann und dient dem Notdienst für`s angestrebte Nebengewerbe und das Andere habe ich halt auch immer mit für das spontane Foto. Heutzutage muss man ja nicht mehr zwingend mit Handys telefonieren. Ebenso führe ich auch ein neues Werbegeschenk in Form einer Plaste-Mini-Videokamera mit mir. Also Massenhightec in meinem Schalkebauchgürtel nebst Marlboro und Einwegfeuerzeug. Abtastkontrolleur 2 bemängelt also das Mitführen zweier Handys und schickt mich eine Reihe tiefer in die Schüco-Arena zu Abtastkontrolleur 3, mit dem Auftrag, dem Kontrolleur 3 von meinen 2 Handys Bericht zu erstatten. Wohlwollend und gut gelaunt ob des guten Wetters und trotz Krombacher, zeige ich dem Kontrolleur 3 mein Ticket und teile ihm mit, dass Kontrolleur 2 gesacht hat, ich soll hier über meine 2 Handys diskutieren. Ich konnte mit meinen 1,93m nichtmal herablassend auf den mürrisch dreinblickenden Herren schauen. Umgangssprachlich nennt man solche  Fleischberge wohl “Kante”. Und solch eine Kante mit schwarzem Vollbart und finsterem Blick versperrt mir nun den Weg zu den Rängen. Mit derselben Frage wie Kontrolleur 2 eröffnet also Kontrolleur 3 die Diskussion: “Warum denn 2 Handys?” “Hab heut Notdienst” erwider ich. “Aha, und dann knallste schnell zurück in den Pott wenn Einer anruft?!” “Nee, ich bin ne Koriphähe auf meinem Gebiet und löse die Probleme telefonisch!” Patsch, das saß. Kurze Denkpause. “Aha, und warum das zweite Handy?” “Wat soll ich sagen, damit mach ich immer nen paar Fotos!” “Aha, und mit der Videokamera wirfste dann oder was?” “Nö, damit will ich mal nen paar Videos oder auch Fotos machen. Weiß nur nich genau wie dat Dingen funktioniert, is neu!” “Erlaubt ist nur ein Handy. Weitere können und werden als Wurfgeschosse eingeordnet und einbehalten!” Patsch, das saß auch. Gezz war bei mir die Pause eingeläutet. Wir fühlten beide, dass es in unserem internen Duell nun 1:1 stand. “Also, wofür das zweite Handy nun?” Hartnäckig setzt nun der grimmige Oberkontrolleur der Abtastreihe 3 zum verbalem KO-Schlag an. Es rattert in mir. Ich habe einfach keinen Bock nach Spielende zigmal um diese Arena zu rennen um mein Eigentum wiederzubekommen. Zumal ich nach zweistündigem Verzicht alkbehafteter  Bierbrause bestimmt mächtig durstig bin. Also, wenn die Wahrheit nicht hilft, muss für den guten Zweck `ne Lüge ran. Anscheinend will Oberkontrolleur 3 ja belogen werden?! Ich trete etwas näher an ihn heran. Bewusst spreche ich ein wenig leiser. “Hörma, das kannste nich machen! Das andere Handy is nen Handy von dem keiner weiß. Die Nummer hat nur meine Freundin. Also nicht DIE Freundin, sondern die Andere, Du weißt schon…” Ah, sportlich gesprochen war sein verbaler Konter wohl abrupt abgefangen und meiner landet nun mindestens an seiner Latte. Ob nun Unterkante Latte und rin oder voll auf`s Alu und wieder zurück auf`s Spielfeld entscheidet sich gezz. “Zeig mal her die Handys!” Hm, sieht nach Abpraller auf`s Feld aus. Umständlich fummel ich die Dinger aus dem Bauchgürtel raus. “Die sehen nich so aus, als wenn man die einfach so wegschmeißt!” Das war keine Frage des sehr netten und sympathischen Oberkontrolleurs der äußerst sinnvollen 3. Abtastreihe, das war eine unumstößliche Feststellung. Und meine Notlüge prallte nicht an die Unterkante der Latte sondern das war nen unhaltbarer Volleyschuß genau in den Knick. Ein Tag, der gut began, verläuft weiterhin planmäßig. Hoffentlich endet er auch so…

Man zwingt uns unseren Stehblock nur über die Aussentreppe zu erreichen. Welchen Sicherheitsaspekt das Nichtbenutzen der unteren Zugangstreppe erfüllt, erschließt sich mir nicht. Warum haben die Verantwortlichen den zweiten, unteren Treppenaufgang in der Winterpause nicht einfach abgerissen und als Planungsfehler deklariert? Gut, wahrscheinlich hat das mit Flucht- und Notausgängen zu tun, aber trotzdem schnauf ich wie ein Walroß als ich die endlosen Treppen in den Oberrang erklimme  und habe aufgrund meiner berechtigten Uneinsichtigkeit erstmal nen Hals auf die Sicherheitsleute dieses Provinzvereines. Vom Treppenausgang (oder Eingang, kommt halt auf die Richtung an aus der man kommt) im Oberrang wieder runter in die Mitte des Unterranges und dann wieder nen büsken hoch von der Mitte des Unterranges in das vorderste Drittel des Oberranges und weiter in die gefühlte Mitte des kompletten Ranges haben wir eigentlich ne ganz gute Sicht. Zumindest auf eine Spielfeldhälfte. Auf die der gegenüberliegenden Seite. Geht schon. Geht zwar auch besser, wie z.B. in Hannover, geht aber auch schlechter, wie z.B. in Barcelona. Zügig füllt sich der Block und das Lamentieren über die alkfreie Brause verkürzt uns angenehm die Zeit. Die Stimmung im Block ist auch sehr gut. Geht da heute was? Auf der Anzeigetafel lese ich was von Altintop. Und Sanchez. Und Bordon. Und nicht Rakitic. Und imho zum Glück auch nicht die Ente aus Twente. Gut so Buyo, dat gefällt mir. Die drei “Neuen” auf der Trainerbank sollen ja gleichberechtigt sein, aber irgendwie ist für mich der Buyo der Leader. Nicht fundiert, nicht bewiesen, einfach so für mich. Die Schalker Führungsebene ist ja schon seit Wochen bei “Wünsch Dir was!”, so bin ich da gezz auch mal. Im Vorfeld wurde ja viel über Not gegen Elend in Bezug auf diesen Kick gesprochen. Allerdings sehen wir m.E. ein besseres Spiel beider Seiten, wenn auch nicht gerade ein fußballerischer Leckerbissen, aber wesentlich mehr als ich erwartet habe. Wir haben klare Vorteile, aber auch die Arminen haben Chancen, die unser wiedereinmal souveräner Schnapper stets zunichte macht. Wir kommen irgendwie nicht zum Abschluß, die Dinger die wir machen sind wohl angeblich wieder Abseits. Ich kann es aus der Perpektive weder bestätigen noch dementieren. Wat ich weiß, dat Bollmann im eigenem Strafraum unglücklich die Hand zur Hilfe nimmt. So, gezz Pfiff und Elfer für uns. Wer macht den dann? Jefferson wohl. Aber der Kapitän zu Felde, namentlich Seemann, hält nix von einem Elfmeterpfiff und ich und meine Stehnachbarn fassen es einfach nicht. Wir sind so sprachlos, dass wir nicht einmal mehr pfeifen können gegen den Pfeifenmann. Zu eindeutig war doch wohl dieses Handspiel. Bo ey… Das Spiel verstreicht, wir gewinnen immer mehr Oberwasser. Ich denke an das Hinspiel und unweigerlich krieg ich schon wieder nen Hals auf den Eilhoff, den Schnapper der Arminia. Was der im Hinspiel alles gehalten hat, dat ging gar nicht. Das war beste Torwartkost, das erkenne ich noch heute neidlos an. Sanchez wirbelt aus unserer Sicht da auf der rechten Seite ein wenig herum, sieht nach Ball halten bis zum sekündlich anstehenden Halbzeitpfiff aus. Plötzlich spielt er per Hacke die Murmel ganz fein auf den an der Außenbahn einlaufenden Pander. Allerdings nen büsken dolle wie ich finde und bemerke: “Das sieht gut aus, aber den kriegt der Pander nicht, kriegt er nicht, los lauf… nee, den kriegt er nicht…!” Weg isser. Ich mein gezz den Pander samt Ball. Denn dieser Eckfahnenbereich nebst Umfeld ist aus unserer Sicht nicht einsehbar. Plötzlich zischt das runde Leder in den Strafraum. Mit einer Flugbahn wie ihn momentan auf Schalke nur einer in den Strafraum bringt. Erst mit Zug zum Tor, dann aber vom Tor abdrehend mit einer enormen Schärfe bzw. Geschwindigkeit. Da muss man eigentlich nur den Schlappen oder Kopp hinhalten. Farfan tut das und Schnapper Eilhoff könnte ruhig der Schnapper aus dem Hinspiel sein. Keine Chance. Die Kirsche ist drin. 1:0 Schalke. Verdient. Berechtigt. Erlösend. Und klasse gemacht von Sanchez über Pander bis Farfan.

Halbzeit. Und ich muß sagen eine Halbzeitpause der besonderen Art. Ich fand den Support in unserem Block während der 1. Halbzeit schon einmal richtig gut. Das hatten wir lange Zeit schlechter. Zudem hielten die UGE während des Spiels immer wieder irgendwelche Transparente hoch, immer in Verbindung mit dem Pappkopp Tönnies. Äh sorry, das könnte mißverständlich klingen. Verständlicher wäre: Immer in Verbindung mit einem nachgebildetem Konterfei des Kopfes von Herrn Tönnies. Aus Pappe halt. Leider kann ich von meiner Position aus nicht lesen was auf den Transparenten steht, da aber beim hochhalten der Transparente immer wieder “Tönnies raus” - Sprechchöre erklingen, steht es wohl irgendwie in Verbindung mit dem wochenlangen unglücklichem Hantieren und Tacktieren des genannten Herren. Und von ständiger Angst getrieben, im Block könnte es leise werden, stimme ich in die Sprechchöre mit ein. Was soll man sonst tun wenn man schon im Steher-Block auswärts steht?! Wo ich nun weiß, was auf den Transparenten stand, möchte ich an dieser Stelle mal ungefragt ein Lob an die Adresse der UGE aussprechen. Eine sinnige Aktion mit Pfiff, die zur Nachdenklichkeit anregen sollte. Dank dafür. Der abschließende Tenor “Maul halten” ist vielleicht ein wenig deftig und ein “Erst denken, dann sprechen!” hätte es auch getan, aber wir sind hier ja auch nicht auf einem Wunschkonzert. Erklärungen u. Bilder von der Aktion findet man auf der Site der UGE oder natürlich auch wiedereinmal bei Auswärtssieg! von mberghöfer (Bilder). Jedenfalls ist diese “Zitatsammlung” unserer Verantwortlichen der Führungsebene wohl der Anlass gewesen, das der Herr Tönnies sich gezwungen sah, in dieser Halbzeitpause  unaufgefordert das Gespräch mit den Fans zu suchen. Was von Courage zeugt, ist auch an Dämlichkeit nicht zu überbieten, denn in einer aufgeheizten Stimmung in dem eigenem Fanblock während eines Auswärtsspieles das Gespräch mit den Fans zu suchen, macht ungefähr soviel Sinn, wie in der Kantine der Fleischfabrik der Fa. Tönnies Nackensteaks der Vion Food Group zu servieren oder einem gewissen Engelaar das Laufen beizubringen. Imho wäre es aufrichtiger, werter Herr Clemens, an einem “runden Tisch” das Gespräch mit den verschiedensten Fangruppen und Fanclubs zu suchen, wenn Ihnen schon der Wunsch danach steht. Und dann bitte auch ohne den wohligen Schoß des Dachverbandes. An Courage dafür scheint es Ihnen ja jedenfalls nicht zu fehlen. Allerdings fehlt mir der Glaube daran, dass ein so unspektakulärer Auftritt ohne die fast schon süchtige Medienpräsenz Ihren Ansprüchen genügt. Überraschen Sie uns. Vielleicht sind sie dann nicht so alleine, wie Sie es unter tausenden Schalkern in der Halbzeitpause in der Schüco-Arena waren. Versuch macht klug und viel zu zerstören in der Beziehung Vorstand - Fanszene gibt es ja nun auch nicht mehr, daher kann alles eigentlich nur besser werden. Wie ich gehört habe, ist es neben den verbalen Anfeindungen, die Sie sich aufgrund Ihrer unüberlegten Aktion selber anzukreiden haben, wohl auch zu Spukattacken gegen Sie gekommen?! Wenn dem so ist, möchte ich mich zumindest an dieser Stelle dafür entschuldigen. Aber leider ist es ja bekannt, dass es nicht nur, aber auch, in der Fanszene des S04 so manch wenige Blitzbirnen gibt, die nicht in der Lage sind, Meinungsverschiedenheiten respektvoll auszutragen. Dies kann und darf man auch nicht mit fehlemden Respekt begründen, welcher der Fanszene schon länger nicht mehr entgegengebracht wird. Vollpfosten gibt es halt Allerorts…

Halbzeit 2. Gerade noch die Pausenunterhaltung in unserem Block verdaut, - das wäre doch übrigens mal ein sinnvolles Video für die Blöckbunder-Box in der Halbzeitpause gegen den KSC - spürt man den Willen unserer Mannen da unten auf`m Platz. Was geht denn nun ab. Kein Halten der knappen Führung auf “Teufel komm raus?” Will man die Führung etwa doch einmal ausbauen? Eine Mannschaft mit dem absolutem Willen zum Sieg? Mögen diese Worte vielleicht ein wenig heroisch klingen, zeigen sie, wie der Schalker Urinstinkt mit ein wenig Leiden- und Einsatzbereitschaft urplötzlich geweckt werden kann. Liegt das alles “nur” an dem “neuen” Trainergespann auf der Schalker Bank. Das kann doch eigentlich nicht sein. Schalke spielt nach vorn und ein alles überragender Marcelo Bordon lässt in Zusammenarbeit mit Schnapper Manu und den anderen Abwehrrecken hinten eigentlich gar nichts mehr anbrennen.  Kevin setzt den Ball zweimal ans Alu. Macht nix, das wird schon. Keiner nimmt es ihm übel. Alle fiebern nur dem 2:0 entgegen. Das müssen wir irgendwie machen. Der Block gibt alles und die Stimmung ist ausgezeichnet. Ist mein Schalke wieder da? Egal, da mach ich mir gezz kein Kopp drum. Wichtig ist hier und heute und auf`m Platz. Wir schmettern “Opa Pritschikowski” und von überall her aus dem Block kommen bei kurz einsetzender Stille neue Stimmungslieder. Ja, heute geht was. Muß. Das darf hier heute nicht scheitern! Ausnahmslos alle, die auf`m Platz heut unser Trikot tragen dürfen und SOLLEN laufen und laufen, auch wenn nicht jede Aktion mit Erfolg gekrönt ist, sind die Laufwege von Rafinha, Vicent und Jermaine eindrucksvoll.  Und eine selten gekannte Umsichtigkeit von Altintop. Der verteilt die Bälle irgendwie richtig gut. Dat macht Spaß. Und über allem thront heute imho der Marcello. Wer so kämpft, so rackert, so spielt, alles im Dienste der Mannschaft, und der sich im Vorfeld schon so zu Schalke bekannt hat, der will nicht weg. Der will bleiben. Und einen solchen Mann mit einer solchen Erfahrung findet man nicht an jeder Ecke. Ich habe es schon anderorts geschrieben, so ein Fußballer wächst und verwächst im und mit dem Verein. Verantwortliche auf Schalke, ist ja momentan etwas schwierig WEN man da ansprechen soll, sprecht mit Marcello. Er MUß bleiben! Während ich meinen Stehnachbarn Sven mit Details über den neuen Vertrag von Bordon nerve, - ich bin für einen, so sagen wir mal, 5-6 Jahresvertrag -, und der Schalker Block den Abschlußpfiff herbeibrüllt, zwirbelt der Jones von der linken Seite da hinten am anderen Strafraum das Leder in den Strafraum von Eilhoff. Direkt auf den einsamen Kevin im gegnerischen 16er. Erst Clemens allein im Block und gezz Kevin allein im Strafraum? Gut, die tapferen Arminen haben die letzten 10 Minuten hinten immer mehr ihr Bollwerk geöffnet und wir haben es versäumt den Sieg vorzeitig einzutüten, aber wir waren Halbzeit zwei einfach besser. Dat is nunmal so, dat is Fakt. Der Sieg ist wirklich verdient. Erkämpft und verdient. Schließlich spielte hier heute ja auch Platz 15 gegen Platz 8. Jedenfalls zwirbelt der Jermaine den Ball auf den frei stehenden Kevin. Guggst Du Winkgehilfe?! Nix winkt! Guggst Du Ball?! Rollt auf die Füße von Kevin zu! Guggst Du Eilhoff?! Resignation bei ihm, steht inner falschen Ecke! Guggst Du Frisur von Kevin?! Sitzt, keine Strähne im Weg! Jubelarme sind eh oben wegen Dauersingsang. Los Kevin, kann losgehen, ICH bin bereit! Klatsch, dat Runde zappelt im Eckigen, guggst Du sofort Schiri Seemann! Der zeigt auf den Mittelpunkt! GEZZ!!! Jaaaaaaaaaaa, jaaaaaaaaaaaaaaa, jaaaaaaaaaaaaa, Toooooooooooooooooooor… Alles andere ist bekannt. Spiel vorbei. Sieg Schalke. Irgendwie ein anderer Sieg als die paar der Letzteren. Der Tag fing gut, er lief planmäßig weiter und er scheint gut zu enden. Hätte ich gewußt, das alles in allem der “Tag” noch sehr frühzeitig war, hätte ich wohl gar nicht ans Ende gedacht. Das Heimspiel für mich mit der kürzesten Anreise zu einem Auswärtsspiel sollte über zwölf Stunden gehen. Nun ja, bin ja sonst kaum zu Gast in Bielefeld.


Vorbei an Hunderschaften von Ordnungshütern, angenehm unauffallend aber präsent, und dem Schalker Verkaufsstrategen `Schals und Mützen nur 5 Euro` geht es nun aber schnurstracks zurück in den Schlosshof. Der Durst ruft. Er ist nach dem Support, dem Jubel und der Freude allgegenwärtig. Auch wenn es nur die Krombacher Brause ist, sie wird eines der schönsten Biere seit langer Zeit werden. In dieser Not würde ich wohl sogar nen DAB in mich kippen. Ne, das dann lieber doch nicht. Dann doch lieber den ehrenhaften Schalker Verdurstungstod. Irgendwo hat alles seine Grenzen. Ist der erste Durst notdürftig gelöscht, ruft auch schon Jörn an. Jörn ist der unbekannte Bekannte aus dem Schalker Forum von transfermarkt.de und auch wohnhaft in der Nähe von Bielefeld. Jörn hat mich aufgrund meines Blogberichtes über das HSV-Spiel per Mail angeschrieben und somit wollen wir uns heute mal persönlich kennenlernen. Gehen Sie ins Internet, dann finden Sie Ihren Nachbarn :-) So treffe ich also Jörn und seine 3 Begleiter auf dem Vorplatz des Schlosshofes und schon vor der ersten der vielen Runden Pilskes stimmt die Chemie und der junge Abend nimmt so gegen 23:30 Uhr seinen weiteren Verlauf. Die komplette Truppe um Jörn ist im Schalker Forum auf transfermarkt.de aktiv, sind Poweruser und gar der Pate des Schalke Forums ist unter uns. An dieser Stelle auch mein Dank an den Paten, einen Thread in “seinem” Forum speziell für Schalke-Blogger zu eröffnen. Ich hoffe wir profitieren beidseitig von dieser Einrichtung! Sven, Benni und ich haben uns immer noch nicht verloren und so beschließen wir gemeinsam mit den neuen Bekannten mal nen büsken das Bielefelder oder auch Herforder Nachtleben aufzumischen. Vorgewarnt, dass die Mannen aus GE - die drei Begleiter von Jörn kommen von dort und übernachten bei Jörn - in der Dorfmetropole BI oder gar HF einen Kulturschock erleben könnten, machen wir uns also auf den Weg nach einem würdigen Ausklang des bislang gelungenen Tages. Alle Anekdoten an dieser Stelle aufzuzählen, wäre für die unbeteiligten Leser wahrscheinlich zu langweilig und so manches unterliegt auch stillschweigend der Zensur. Jedenfalls war es trotz aller Unwegbarkeiten wie z.B der des richtigen Weges, der richtigen und wichtigen Ablehnung der Kleiderordnung (ein Schalker entscheidet wann er sein Trikot auszieht), der richtigen Nacktbusse, der kooperativen Kutscher und der manch dämlichen Kneipengäste, der würdige Abschluss eines ereignis- und erfolgreichen Schalker Tages. Auch wenn wohl der Weg das Ziel war :-). Mit Euch immer wieder gerne, auch wenn keiner weiß wo es hingeht… :-)

Fazit des Spieles ist jedenfalls: Mit der Einsatzbereitschaft aller, - Mannschaft, Trainer, Fans und Vorstand - , sollten wir doch aus den nächsten zwei Heimspielen, gerade gegen Platz 17 und 18, jeweils einen Dreier zupfen und uns der europäischen Hoffnung  ruhig wieder hingeben. Zumindest wir Fans dürfen das. Der restliche 26. Spieltag lief  leider eher gegen uns, aber egal, ein Anfang ist gemacht und alles wird gut. Gehen wir es an. Gemeinsam.

Wir sind Schalke !!!

Gutgehn, Euer MSpie

Nachtrag: Leider passt irgendetwas nicht mit dem Format meiner aufgenommenen Fotos und Kurzvideos. Ich hoffe, diese recht zeitnah nachliefern zu können!


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Autor: Mspie
Datum: Montag, 6. April 2009 0:21
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Ein Kommentar

  1. 1

    Sehr schöner Berich Meik… Hat echt Spaß gemacht mit euch. Hoffe dat klappt mit dem 17ten. Freu mich auf jeden Fall schon auf dat Spiel…

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